Startseite / Schwerpunkte / Leishmaniose und Ernährung
Leishmaniose und Ernährung beim Hund
Nicht jeder Hund mit Leishmaniose benötigt allein wegen der Diagnose eine Spezialdiät.
Entscheidend sind vor allem die aktuelle Behandlung, eine mögliche Nierenbeteiligung, eine erhöhte Eiweißausscheidung über den Urin, der Appetit sowie der Körper- und Muskelzustand.
Nach der Diagnose liegt die Frage nach dem richtigen Futter nahe. Eine einheitliche Leishmaniose-Diät gibt es jedoch nicht. Sinnvoller ist es, die Ration an die Befunde und die Behandlung des einzelnen Hundes anzupassen.[1–3]
Wann die Ernährung wichtig wird
Zu den empfohlenen Erstlinientherapien beim Hund gehören Kombinationen von Allopurinol mit Megluminantimoniat oder Miltefosin. Für die Fütterung ist besonders Allopurinol relevant: Das Medikament verändert den Purinstoffwechsel und kann dadurch die Ausscheidung von Xanthin erhöhen. In der Folge können sich Xanthinkristalle oder Xanthinsteine bilden.[1–3]
Während einer Allopurinoltherapie wird deshalb in der Regel eine purinreduzierte Fütterung empfohlen. Eine gute Wasseraufnahme trägt zusätzlich dazu bei, den Urin zu verdünnen. Wie die Fütterung konkret gestaltet wird, hängt auch von Nierenfunktion, Körperzustand und Futterverträglichkeit ab. Die medikamentöse Behandlung legt die Tierarztpraxis fest; die Fütterung wird daran angepasst und ersetzt keine Therapie.[1–5]
Mehr dazu, warum Purine eine Rolle spielen und worauf bei der Futterauswahl zu achten ist, findest du auf der Seite „Purinarme Ernährung“.
Diese Faktoren sind wichtig
- Aktuelle Fütterung: Was bekommt dein Hund – einschließlich Snacks, Kauartikeln und Ergänzungen?
- Purinaufnahme: Wie purinreich ist die gesamte Ration, besonders während einer Allopurinoltherapie?
- Körper- und Muskelzustand: Hält dein Hund sein Gewicht und seine Muskulatur, oder nimmt er ab beziehungsweise zu?
- Appetit: Frisst dein Hund zuverlässig oder gibt es Phasen mit geringer Futteraufnahme?
- Nierenfunktion und Urin: Leishmaniose kann die Nieren schädigen. Neben den Blutwerten sind deshalb eine Urinuntersuchung und bei Proteinurie der Urin-Protein-Kreatinin-Quotient (UPC) wichtig. Eine erhöhte Eiweißausscheidung kann bereits bei noch unauffälligen Nierenwerten im Blut auf eine Beteiligung der Nieren hinweisen. Der UPC muss jedoch zusammen mit dem Harnsediment, möglichen anderen Ursachen und gegebenenfalls Verlaufskontrollen beurteilt werden.[4,5]
- Magen-Darm-Beschwerden: Durchfall, Übelkeit oder Erbrechen verändern die Anforderungen an die Ration.
- Medikamente: Welche Medikamente bekommt dein Hund, in welcher Dosierung und seit wann?
- Wasseraufnahme: Wie viel trinkt dein Hund und wie hoch ist der Feuchtigkeitsgehalt seines Futters?
Warum es keine Einheitsdiät gibt
Ein Hund mit stabiler Nierenfunktion, gutem Appetit und normalem Körperzustand benötigt eine andere Ernährung als ein Hund mit anhaltender Proteinurie, eingeschränkter Nierenfunktion oder deutlichem Gewichtsverlust. Auch eine starre Liste mit erlaubten und verbotenen Zutaten wird diesen Unterschieden nicht gerecht.
Eine Ernährungsberatung beginnt deshalb mit der gesundheitlichen und ernährungsbezogenen Ausgangslage, nicht mit einem fertigen Speiseplan.
Hunde und Katzen im Vergleich
Hunde gelten als wichtigster häuslicher Reservoirwirt für Leishmania infantum. Auch Katzen können sich infizieren und infektiös für Sandmücken sein. Nach heutigem Wissen werden sie eher als zusätzliche oder sekundäre Reservoirwirte eingeordnet. Welche Bedeutung Katzen für die Verbreitung haben, kann regional unterschiedlich sein und ist noch nicht abschließend geklärt.[6,7]
Bei Katzen wird eine klinische Leishmaniose insgesamt seltener beschrieben als bei Hunden. Für Hunde liegen deutlich mehr Daten zu Diagnose, Stadieneinteilung und Therapie vor. Empfehlungen für Katzen beruhen dagegen häufig auf Fallberichten, kleineren Fallserien und Expertenkonsens. Erkenntnisse aus der Hundemedizin lassen sich deshalb nicht ohne Weiteres übertragen.[6,7]
Bei beiden Tierarten können Hautveränderungen und unspezifische Beschwerden wie Gewichtsverlust oder verminderte Aktivität auftreten. Bei Katzen werden besonders häufig Haut- und Schleimhautveränderungen, Augenbefunde und Veränderungen im Maul beschrieben. Bei entsprechendem Risiko sollten außerdem Begleiterkrankungen berücksichtigt werden, die die Immunabwehr beeinflussen können. Insbesondere für FIV ist ein Zusammenhang mit einer erhöhten Anfälligkeit für Leishmania-infantum-Infektionen beschrieben; auch FeLV sollte im Rahmen der Abklärung berücksichtigt werden.[6,7]
Beim Hund gehören, abhängig von Krankheitsstadium und Begleiterkrankungen, Kombinationen aus Allopurinol und Megluminantimoniat oder Miltefosin zu den empfohlenen Behandlungsoptionen. Bei Katzen wird Allopurinol am häufigsten eingesetzt, teilweise zusammen mit Megluminantimoniat. Klinische Besserungen sind beschrieben, belastbare kontrollierte Studien zur Wirksamkeit und langfristigen Sicherheit fehlen jedoch.[1,6,7]
Katzen sollten während der Behandlung daher engmaschig tierärztlich überwacht werden. Unter Allopurinol wurden in einzelnen Berichten unter anderem Nierenprobleme, Hautreaktionen, erhöhte Leberwerte sowie Xanthinurie beschrieben. Die für Hunde zugelassene Miltefosin-Lösung wird für Katzen derzeit nicht empfohlen, weil sie Propylenglykol enthält. Dieser Hilfsstoff kann bei Katzen Heinz-Körper in den roten Blutkörperchen fördern und dadurch deren Lebensdauer verkürzen. Die klinische Datenlage hierzu ist allerdings begrenzt.[6,7]
Was für eine Beratung hilfreich ist
- Aktuelle Blutwerte einschließlich Nierenparameter
- Vollständiger Urinbefund einschließlich UPC, sofern bestimmt
- Aktueller Medikationsplan mit Dosierungen
- Verlauf von Körpergewicht und möglichst Muskelzustand
- Angaben zur aktuellen Fütterung einschließlich Snacks und Ergänzungen
- Deklarationen oder Produktinformationen der verwendeten Futtermittel
Nicht alles muss bereits vorliegen. Falls für eine seriöse Rationsplanung wichtige Angaben fehlen, besprechen wir, welche Informationen noch benötigt werden.
Behandlung und Fütterung
Die Diagnose und Behandlung der Leishmaniose gehören in tierärztliche Hand. Ich stimme die Fütterung auf die bestehende Therapie, die aktuellen Befunde und die Bedürfnisse deines Hundes ab. Medikamente werden im Rahmen der Ernährungsberatung weder abgesetzt noch in ihrer Dosierung verändert.
Quellen und fachlicher Stand
Fachlich geprüft: September 2026
[1] Saridomichelakis MN, Baneth G, et al. World Association for Veterinary Dermatology Consensus Statement for Diagnosis, and Evidence-Based Clinical Practice Guidelines for Treatment and Prevention of Canine Leishmaniosis. Veterinary Dermatology. 2025;36:723–787. doi:10.1111/vde.70006.
[2] Oliveira SC, Arenas C, Domínguez-Ruiz M, Prosper E, Dias MJ, Leal RO. Characterisation and evaluation of predisposing factors for the development of xanthinuria in dogs with leishmaniosis under allopurinol therapy. Parasites & Vectors. 2025;18:98. doi:10.1186/s13071-025-06731-0.
[3] Kaempfle M, Bergmann M, Koelle P, Hartmann K. High Performance Liquid Chromatography Analysis and Description of Purine Content of Diets Suitable for Dogs with Leishmania Infection during Allopurinol Treatment-A Pilot Trial. Animals. 2023;13:3060. doi:10.3390/ani13193060.
[4] Meléndez-Lazo A, Ordeix L, Planellas M, Pastor J, Solano-Gallego L. Clinicopathological findings in sick dogs naturally infected with Leishmania infantum: Comparison of five different clinical classification systems. Research in Veterinary Science. 2018;117:18–27. doi:10.1016/j.rvsc.2017.10.011.
[5] International Renal Interest Society. IRIS Staging of CKD and Treatment Recommendations for CKD in Dogs. 2026. iris-kidney.com
[6] LeishVet. Feline Leishmaniosis – Brief for the Practicing Veterinarian / Fact Sheet. Current version. leishvet.org
[7] European Advisory Board on Cat Diseases. Guideline for Feline Leishmaniosis. Reviewed 2026. abcdcatsvets.org
Auf dieser Seite
Ernährung bei Erkrankungen
Beratung für Hunde mit diagnostizierten Erkrankungen, abgestimmt auf Befunde und Medikation. 120 EUR.
Nur eine Futterfrage?
Der Purin-Quick-Check ordnet ein einzelnes Futter ein. 20 EUR.