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Purinarme Ernährung beim Hund

Purinarm ist nicht dasselbe wie proteinarm.

Wer bei „purinarm“ nur an weniger Fleisch oder weniger Eiweiß denkt, kann das eigentliche Ziel verfehlen. Ein niedriger Rohproteingehalt garantiert keine purinarme Ration, und eine purinarme Ration muss nicht eiweißarm sein. Entscheidend sind vor allem die verwendeten Zutaten, deren tatsächlicher Puringehalt und die insgesamt aufgenommene Futtermenge. [2]

Warum Purine eine Rolle spielen können

Purine sind unter anderem Bestandteile von DNA und RNA und kommen deshalb in fast allen tierischen und pflanzlichen Futterbestandteilen vor. Beim Abbau entsteht Harnsäure. Die meisten Hunde transportieren Harnsäure in die Leber, wo sie durch Uratoxidase zu dem besser löslichen Allantoin umgewandelt und anschließend mit dem Urin ausgeschieden wird. [1]

Bei genetisch betroffenen Hunden ist der Transport von Harnsäure in Leber und Niere gestört. Dadurch wird weniger Harnsäure in der Leber zu Allantoin weiterverarbeitet und zugleich weniger in den Nieren rückresorbiert. Mehr Harnsäure gelangt in den Urin, wodurch das Risiko für Uratsteine steigt. [6]

Uratsteine können jedoch auch mit portosystemischen Gefäßanomalien oder anderen Störungen der Leberfunktion zusammenhängen. Ihre Ursache muss deshalb tierärztlich abgeklärt werden. [1]

Dalmatiner und Hyperurikosurie

Dalmatiner sind das bekannteste Beispiel für genetische Hyperurikosurie. Ursache ist eine autosomal-rezessiv vererbte Variante im Gen SLC2A9, die den Harnsäuretransport verändert. Die klassische Dalmatinerpopulation ist weitgehend betroffen; genetisch freie „Low Uric Acid“-Linien bilden eine Ausnahme. [6]

Die Variante ist auch bei anderen Rassen beschrieben, darunter Englische Bulldoggen und Russische Schwarze Terrier. Nicht jeder genetisch betroffene Hund entwickelt Uratsteine: Hyperurikosurie erhöht das Risiko, aber auch Harnkonzentration, Harn-pH und weitere individuelle Faktoren spielen eine Rolle. [1, 6]

Dalmatiner frisst aus seinem Futternapf.

Allopurinol

Gut belegt

Allopurinol wird unter anderem zur Behandlung der caninen Leishmaniose sowie in bestimmten Situationen bei Uratsteinen eingesetzt. Es hemmt die Xanthinoxidase und damit die weitere Umwandlung von Hypoxanthin und Xanthin zu Harnsäure. Dadurch kann sich schlecht lösliches Xanthin im Urin anreichern und selbst Kristalle oder Steine bilden. [1, 3, 4]

Begrenzte Evidenz

Eine niedrigere Purinzufuhr vermindert das für diesen Stoffwechselweg verfügbare Substrat und gehört deshalb während einer Allopurinoltherapie zu den empfohlenen Vorsorgemaßnahmen. Das individuelle Risiko hängt zusätzlich unter anderem von Dosis und Dauer der Medikation sowie von der Harnkonzentration ab. [1, 5]

Die Medikation bleibt in tierärztlicher Hand.

Indikation, Dosierung und Dauer legt die behandelnde Tierarztpraxis fest. Die Medikation darf nicht eigenständig verändert oder abgesetzt werden. Fütterung und Kontrollen werden auf Ursache, Begleiterkrankungen und Behandlung abgestimmt.

Protein und Purine

Gut belegt

Rohprotein- und Puringehalt stehen nicht in einer festen 1:1-Beziehung. Innereien, Hefe und manche Fischarten können besonders purinreich sein. Eier und bestimmte Milchprodukte liefern dagegen hochwertiges Eiweiß bei vergleichsweise niedrigem Puringehalt. Zwei Futter mit gleichem Rohproteingehalt können sich daher deutlich in ihrer Purinbelastung unterscheiden. Umgekehrt ist ein proteinreduziertes Futter nicht automatisch purinarm. Der Rohproteinwert auf dem Etikett reicht für eine verlässliche Beurteilung nicht aus. [2]

Die gesamte Ration

  • Zutatenauswahl: Proteinquellen unterscheiden sich deutlich im Puringehalt. Auch pflanzlich oder vegan bedeutet nicht automatisch purinarm; beispielsweise können Hülsenfrüchte, Hefe oder Algen relevant sein.
  • Futtermenge und Energiedichte: Maßgeblich ist nicht nur der Wert pro 100 Gramm, sondern die Purinmenge, die der Hund mit seiner gesamten Tagesration tatsächlich aufnimmt. [2]
  • Wasseraufnahme: Ein verdünnterer Urin senkt die Konzentration steinbildender Substanzen. Feuchtfutter, eingeweichtes Trockenfutter und weitere individuell geeignete Maßnahmen können die Flüssigkeitsaufnahme unterstützen. [1, 7]
  • Leckerlis und Kauartikel: Snacks, Kauartikel und Ergänzungen zählen zur Gesamtration. Ein purinarmes Hauptfutter kann seinen Zweck verfehlen, wenn regelmäßig purinreiche Extras gefüttert werden.
  • Kontrollen: Bei bekannter Urolithiasis oder Allopurinoltherapie sind tierärztliche Verlaufskontrollen wichtig; je nach Fall gehören dazu Urinuntersuchungen und bildgebende Kontrollen des Harntrakts. [1, 3]

Grenzen der Beurteilung

Begrenzte Evidenz

Für viele Futtermittel fehlen analysierte und vergleichbare Purinwerte. EU-weit existiert kein verbindlicher Höchstwert, anhand dessen ein Hundefutter als „purinarm“ eingestuft werden müsste; Hersteller müssen den Puringehalt nicht routinemäßig analysieren oder deklarieren. Unterschiedliche Messmethoden, Rezepturänderungen und Chargenschwankungen erschweren zusätzliche Vergleiche.

Tabellen und Zutatenlisten ermöglichen daher meist nur eine begründete Einschätzung. Für eine therapeutische Ration müssen außerdem Energieversorgung, essenzielle Aminosäuren und alle weiteren Nährstoffe bedarfsdeckend berücksichtigt werden; eine Purinreduktion allein macht noch keine ausgewogene Ration.

Quellen und fachlicher Stand

Fachlich geprüft: September 2026

Die Quellenzahlen im Text markieren die tragenden medizinischen und ernährungswissenschaftlichen Aussagen.

[1] Lulich JP et al. (2016). ACVIM Small Animal Consensus Recommendations on the Treatment and Prevention of Uroliths in Dogs and Cats. Journal of Veterinary Internal Medicine 30(5):1564–1574. doi:10.1111/jvim.14559

[2] Kaempfle M et al. (2023). High Performance Liquid Chromatography Analysis and Description of Purine Content of Diets Suitable for Dogs with Leishmania Infection during Allopurinol Treatment—A Pilot Trial. Animals 13(19):3060. doi:10.3390/ani13193060

[3] Oliveira SC et al. (2025). Characterisation and evaluation of predisposing factors for the development of xanthinuria in dogs with leishmaniosis under allopurinol therapy. Parasites & Vectors 18:98. doi:10.1186/s13071-025-06731-0

[4] Segarra S et al. (2017). Randomized, allopurinol-controlled trial of the effects of dietary nucleotides and active hexose correlated compound in the treatment of canine leishmaniosis. Veterinary Parasitology 239:50–56. doi:10.1016/j.vetpar.2017.04.014

[5] Mireaux M et al. (2014). Leishmaniose canine et urolithiase à cristaux de xanthine : intérêt d’un régime alimentaire réduit en purines, étude préliminaire sur 13 chiens. Revue Vétérinaire Clinique 49(1):23–29. doi:10.1016/j.anicom.2013.12.001

[6] Bannasch D et al. (2008). Mutations in the SLC2A9 gene cause hyperuricosuria and hyperuricemia in the dog. PLoS Genetics 4(11):e1000246. doi:10.1371/journal.pgen.1000246

[7] Westropp JL et al. (2017). Evaluation of dogs with genetic hyperuricosuria and urate urolithiasis consuming a purine restricted diet: a pilot study. BMC Veterinary Research 13:45. doi:10.1186/s12917-017-0958-y

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